Keine Zeit zum Durchatmen in Telgte
Auch wenn die Pegelstände leicht gesunken sind, das ist nach Ansicht des Krisenstabes weniger Zeit zum Aufatmen, als mehr Zeit, sich auf neuerliche starke Regenfälle vorzubereiten: Das ist das Ergebnis einer großen Runde im Rathaus.
An der Krisensitzung, die Bürgermeister Wolfgang Pieper angesichts der aktuellen Hochwasserlage einberufen hatte, haben Verantwortliche der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes, der Stadtwerke Ostmünsterland, des Abwasserbetriebes TEO und des Ordnungsamtes teilgenommen.
Sie tauschten sich über die aktuelle Lage aus und richteten den Blick auf die zu erwartenden weiteren Niederschläge zum Wochenende. „Die derzeit leicht sinkenden Pegelstände der Ems geben den Beteiligten etwas Zeit und Vorlauf für die jetzt nötigen Schritte“, hieß es abschließend.
Zu den einzelnen Maßnahmen: Das Technische Hilfswerk, Experten aus Lengerich mit großen Pumpen und anderem Spezialgerät, sind derzeit vor Ort, haben bereits am Dienstagabend in Abstimmung mit der Feuerwehr damit begonnen, die am stärksten betroffenen Straßenzüge (Immelmannweg, Nachtigallengrund, Stadtgraben und Herrenstraße sowie Am Schilde) mit Baustrom abzusichern. Damit sollen im Fall einer möglicherweise notwendigen Stromabschaltung die Pumpen in den Kellern weiter betrieben werden können.
Um nur die tatsächlich gefährdeten Gebäude stromfrei zu machen und nicht auch benachbarte nicht gefährdete Häuser, würden die Stadtwerke nach Angaben des Krisenstabes die Bewohner jeweils rechtzeitig informieren. Im Außenbereich gibt es einige wenige Hofstellen, die durch das Hochwasser von der Außenwelt abgeschnitten sind und sich in Abstimmung mit den Hilfskräften autark versorgen können, betonen die Verantwortlichen.
Außergewöhnliche Rettungsaktion
Für die Hofstelle Rölver an der Westbeverner Straße startete am Mittwoch eine außergewöhnliche Rettungsaktion: Der vom Eigentümer selbst bereits errichtete provisorische Deich wird nach Einschätzung der Fachleute einem noch stärkeren Hochwasser nicht standhalten können. Mit Kräften des THW, der Feuerwehr und Unterstützung durch die Landjugend wurde dort mit rund 15 000 Sandsäcken der Deich verstärkt, um das Wohnhaus zu schützen. Stundenlang wurde dort gearbeitet.
Das Technische Hilfswerk, das nach Angaben der Stadt mit etwa 80 Ehrenamtlichen im Einsatz ist, hat einen sogenannten Bereitstellungsraum auf der Fläche des Unternehmens Hygi aufgebaut, um die Versorgung der Kräfte sicherzustellen. Das DRK wiederum versorgt die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte. In der Herrenstraße ist neben privaten Gebäuden auch das Museum Religio ein gefährdetes Objekt (siehe gesonderten Bericht).
Krisenstab gebildet
Die Stadt Telgte sichert derzeit auch einige städtische Gebäude, die im Fall eines Extremhochwassers durch eindringendes Wasser gefährdet sein könnten. Das betrifft nach Angaben des Krisenstabes das Haus der Musik, das Jugendzentrum in der Mühle am Emstor und das Notstromaggregat des Rathauses.
Die Stadtverwaltung warnt laut Ordnungsamt dringend davor, die Kraft der Wassermassen zu unterschätzen. Insbesondere sollten vollgelaufene Keller nicht betreten werden, wenn noch Teile der Stromversorgung am Netz sind, überflutete Straßen und Wege sowie Uferrandbereiche sollten nicht betreten werden, da es nicht einsehbare Untiefen und Strömungen geben könne. Die vom Bauhof errichteten Straßenabsperrungen sollten weder entfernt noch ignoriert werden. Pkw-Fahrer werden gebeten, die besonders betroffenen Straßenbereiche wie etwa die Herrenstraße zu meiden und dort nicht zu parken, um den Einsatzfahrzeugen des THW und der Feuerwehr nicht im Wege zu sein.
Bereich meiden
Eine sehr ähnliche Nachricht hat auch das Team des Emshofes abgesetzt. Eindringlich werden Schaulustige gebeten, diesen Bereich zu meiden und keinesfalls Fahrzeuge am Straßenrand abzustellen, da ständig Fahrzeuge mit Sandsäcken oder anderen Versorgungsgütern unterwegs seien. Diese würden damit behindert.
Bericht: wn.de