Nicht nach jedem Einsatz wird im Feuerwehrgerätehaus gekocht. Bei kleineren Einsätzen geht es für viele Kameradinnen und Kameraden nach kurzer Zeit wieder nach Hause.
Doch es gibt auch diese anderen Tage – lange, kräftezehrende Einsätze, ausgedehnte Übungen oder intensive Schulungen, auch am Wochenende. Tage, an denen viele Stunden zusammenkommen und der Hunger irgendwann genauso groß wird wie die Erschöpfung. Dann ist Michael Garbers zur Stelle.
Der 68‑Jährige ist nicht mit Schlauch oder Atemschutzgerät im Einsatz, sondern mit Kochlöffel, Organisationstalent und einem feinen Gespür für den richtigen Moment. Als erfahrener Koch bringt er jahrzehntelange Praxis mit an den Herd in der Küche des Feuerwehrgerätehauses an der Alverskirchener Straße. Seit sechs Jahren führt er dort Regie. Gemeinsam mit einem kleinen Team kümmert er sich um die Verpflegung, wenn viele Einsatzkräfte gleichzeitig gefordert sind.
Unterstützung bei größeren Lagen
Besonders bei größeren Lagen zeigt sich, wie wichtig diese Unterstützung ist. Beim Hochwasser vor gut einem Jahr etwa, als zahlreiche Kräfte über Stunden im Einsatz waren, lief auch in der Küche der Betrieb auf Hochtouren. Doch nicht nur in Ausnahmesituationen wird gekocht. Auch an Übungsabenden, bei Schulungen oder Diensten sorgt Garbers mit seinem Team dafür, dass am Ende des Tages eine warme Mahlzeit wartet. „Was möchtet ihr essen?“, fragt er dann in die Runde. Die Antworten fallen unterschiedlich aus – gekocht wird trotzdem für alle.
Dass Michael Garbers heute diese Rolle einnimmt, ist das Ergebnis eines besonderen Lebenswegs. Ursprünglich arbeitete er als Maler und Lackierer, bevor gesundheitliche Gründe ihn zum Umdenken bewegten. Er begann noch einmal neu und ließ sich zum Koch ausbilden. Es folgten Stationen in Großküchen, Mensen, Hotels und Restaurants, später viele Jahre im Catering. Dort lernte er, wie man viele Menschen gleichzeitig versorgt – und wie wichtig gutes Essen für das Miteinander ist.
„Die Arbeit ist hart, die Zeiten oft unregelmäßig."
Michael Garbers
Seine Erfahrungen lassen ihn aber auch mit einem anderen Blick auf die Branche schauen. Der Beruf des Kochs hat sich verändert – und nicht immer zum Vorteil. „Die Arbeit ist hart, die Zeiten oft unregelmäßig“, weiß Garbers aus eigener Erfahrung. Gerade deshalb fällt es vielen Betrieben zunehmend schwer, Nachwuchs zu finden. Der Bedarf an qualifizierten Köchinnen und Köchen ist hoch, doch immer weniger junge Menschen entscheiden sich für diesen Weg. Für Restaurants und Küchenbetriebe bedeutet das eine wachsende Herausforderung – für Garbers ein Grund mehr, seinen Beitrag heute bewusst im Ehrenamt zu leisten.
Genau dieses Wissen kommt nun anderen zugute. Denn die Mahlzeiten sind weit mehr als reine Verpflegung. Nach langen Einsätzen oder intensiven Schulungen entsteht beim gemeinsamen Essen ein Moment der Ruhe. Gespräche, Austausch, manchmal auch einfach stilles Zusammensitzen – all das gehört dazu. Garbers schafft dafür den Rahmen, oft im Hintergrund und ohne großes Aufheben.
Gerichte planen
Bevor überhaupt gekocht wird, ist einiges zu organisieren. Garbers plant die Gerichte, kümmert sich um den Einkauf und stimmt sich eng mit der Zugführung und seinem Team ab. Gerade bei größeren Gruppen oder längeren Einsätzen ist Flexibilität gefragt. Seine Erfahrung zahlt sich dabei täglich aus.
Welche Bedeutung das für die Feuerwehr hat, beschreibt Feuerwehrleiter Lutz Mahler deutlich: „Durch seine Erfahrung hat Michael Garbers unser Küchenteam spürbar aufgewertet. Dabei geht es nicht nur ums Kochen – er hat das Timing im Blick, koordiniert Abläufe und gibt sein Wissen weiter. Davon profitieren alle, und das merkt man.“
Die Organisation läuft dabei Hand in Hand. Gemeinsam mit den Zugführern wird abgestimmt, welches Menü auf den Tisch kommt. So kann die Küche genau kalkulieren, die Mengen passen – und Verschwendung wird vermieden. „Die Kameraden bezahlen ihr Essen in der Regel selbst – das gehört bei uns dazu“, erklärt Mahler.
„Die Beteiligung an den Übungsabenden hat zugenommen – auch wegen der guten Küche.“
Feuerwehrchef Lutz Mahler
Dass sich dieser Einsatz auszahlt, ist deutlich spürbar: „Die Beteiligung an den Übungsabenden hat zugenommen – auch wegen der guten Küche“, betont der Feuerwehrleiter. Viele Kameraden kommen direkt von der Arbeit und wissen es zu schätzen, nach dem Dienst etwas Warmes zu bekommen. Für Mahler ist klar, welchen Stellenwert die Verpflegung hat: „Gutes Essen ist für uns ein riesiges Plus – es hält die Kameraden bei Laune und stärkt den Zusammenhalt.“ Für die Bedeutung der Küche findet er ein treffendes Bild: „Läuft die Küche, läuft die Mannschaft.“
Und genau das zeigt sich im Alltag der Freiwilligen Feuerwehr. Die Küche ist längst mehr als nur ein Ort zum Essen – sie ist ein fester Bestandteil der Kameradschaft. Oder, wie Mahler es abschließend formuliert: „Garbers und sein Team sorgen für gutes Essen – und damit für echten Zusammenhalt.“
Text und Fotos: wn.de



