So funktioniert der Großeinsatz beim Waldbrand
150 Einsatzkräfte, etwa 50 allein aus Telgte und Westbevern, sechs Übungsstationen und 3,6 Kilometer Schlauchleitungen: Bei einer großen Waldbrandübung im Klatenberg hat die Freiwillige Feuerwehr Telgte gemeinsam mit Nachbarwehren und weiteren Einheiten den Ernstfall geprobt.
Dabei ging es am Samstag nicht allein um neue Technik und große Wassermengen. Entscheidend war die Frage, ob viele unterschiedliche Kräfte im Ernstfall als ein System funktionieren. Das Löschwasser kommt an diesem Samstag aus einer ungewöhnlichen Quelle. Aus dem Waldschwimmbad wird es über lange Schlauchleitungen in Richtung Klatenberg gefördert. An einer zentralen Wegekreuzung im Wald stehen zwei große Wasserbehälter des THW als Zwischenspeicher bereit. Spezialfahrzeuge rollen über die Waldwege, an verschiedenen Stellen wird gleichzeitig gearbeitet. Insgesamt 3,6 Kilometer Schlauchleitungen ziehen sich durch das Übungsgebiet.
Schnell wird deutlich: Wenn es im Klatenberg tatsächlich großflächig brennt, reicht es nicht, mit einigen Löschfahrzeugen in den Wald zu fahren. Genau das war der Ansatz der ersten großen Waldbrandübung, die die Freiwillige Feuerwehr Telgte gemeinsam mit zahlreichen Partnern auf die Beine gestellt hatte. „Wir haben hier gut 150 Kräfte heute im Einsatz“, sagte Carsten Einhoff, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Telgte, zum Auftakt. Seit Oktober vergangenen Jahres sei die Übung vorbereitet worden. Auch Ämter und Behörden waren in die umfangreiche Planung eingebunden.
Spezielle Fahrzeuge im Einsatz
Neben den Telgter Kräften beteiligten sich die Feuerwehren Ostbevern und Everswinkel sowie die Feuerwehren Münster und Oelde mit speziellen Fahrzeugen für die Waldbrandbekämpfung. Hinzu kamen unter anderem der Wasserförderzug NRW des Instituts der Feuerwehr und weitere Einheiten. Begleitet wurde die Übung vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW und dem Deutschen Roten Kreuz.
Wie unterschiedlich die Aufgaben bei einem Waldbrand sein können, zeigte auch der Blick auf die eingesetzten Fahrzeuge. Neben den großen Löschfahrzeugen war ein Feuerwehr-Motorrad auf den Waldwegen unterwegs. Der Fahrer kontrollierte damit die insgesamt 3,6 Kilometer lange Schlauchstrecke. Ebenfalls zum Einsatz kam ein schwerer Traktor mit Geräten zur Bodenbearbeitung. Mit solcher Technik können Bewuchs und brennbares Material beseitigt oder Bodenstreifen bearbeitet werden, um die Ausbreitung eines Feuers zu erschweren.
Statt einen einzigen großen Waldbrand nachzustellen, wurde an fünf Stationen gearbeitet. Erprobt wurden die Wasserförderung über längere Strecken, die Brandbekämpfung mit Waldbrandtanklöschfahrzeugen während der Fahrt – das sogenannte „Pump-and-Roll-Verfahren“ –, der Einsatz von Kreisregnern sowie das schnelle Verlegen von Schlauchleitungen während des Vorrückens. Außerdem wurde geübt, wie Gebäude vor einem herannahenden Feuer geschützt werden können.
Dynamik ist eine Herausforderung
Warum sich ein Waldbrand deutlich von vielen anderen Feuerwehreinsätzen unterscheidet, erklärte Benjamin Schürholt, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Telgte: „Die große Herausforderung ist, dass der Waldbrand dynamisch ist.“ Gemeint ist: Das Feuer bleibt nicht an einer Stelle. Ein brennendes Mehrfamilienhaus stehe eine halbe Stunde später noch an derselben Stelle. Ein Waldbrand dagegen könne sich in dieser Zeit erheblich verlagert haben. „Hier reden wir plötzlich über Dimensionen von Kilometern.“
Der Klatenberg liefert dafür ein durchaus realistisches Szenario. Kiefern prägen Teile des Waldes, der sandige Boden trocknet schnell aus. Bei längerer Trockenheit kann sich ein Feuer über trockenes Laub, Nadeln und anderes Pflanzenmaterial am Boden rasch ausbreiten. Umso wichtiger ist es nach Einschätzung der Feuerwehr, einen Brand früh zu entdecken. „Wenn wir das Feuer relativ schnell entdecken, dann wird es erst gar nicht groß.“
Großes System zur Wasserversorgung notwenig
Weil viele Spaziergänger und andere Freizeitsuchende im Klatenberg unterwegs sind und ein Handy dabeihaben, setzt die Feuerwehr im Ernstfall auch auf eine schnelle Alarmierung durch die Bevölkerung. Eine der größten Herausforderungen ist anschließend die Versorgung mit Löschwasser. Für den ersten Nachschub können die Feuerwehren in Telgte, Ostbevern und Everswinkel auf zwei ehemalige Milchtankwagen zurückgreifen, die jeweils 12.000 Liter Wasser transportieren.
Werden jedoch Wassermengen von 3.000 oder 4.000 Litern pro Minute benötigt, muss ein wesentlich größeres System zur Wasserversorgung aufgebaut werden. Dafür sei mit einer Vorlaufzeit von einer bis anderthalb Stunden zu rechnen. Wie aufwendig das ist, wurde im Klatenberg sichtbar. Das Wasser aus dem Waldschwimmbad wurde zunächst zu einem Übergabepunkt gefördert. Dort konnten die beiden THW-Behälter jeweils 24.000 Liter Wasser aufnehmen. Von dort ging es weiter zu den einzelnen Übungsabschnitten.
Auch der Schutz der angrenzenden Wohnbebauung wurde geprobt. Kreisregner können Flächen vorsorglich feucht halten. Einsatzkräfte können zugleich mit Handgeräten brennbares Material entfernen und so Schutzbereiche schaffen. Der entscheidende Vorteil dabei ist Zeit: Ist bekannt, aus welcher Richtung sich das Feuer nähert und wie schnell es vorankommt, kann mit dem Schutz der Gebäude begonnen werden, lange bevor die Flammen dort ankommen.
Zusammenspiel der Einheiten
Doch bei aller Technik war das Zusammenspiel der vielen Einheiten der eigentliche Kern der Übung. Kreisbrandmeister Patrik Hillebrand hob hervor, dass dabei unterschiedliche Konzepte des Landes und der Kommunen sowie Feuerwehren und weitere Hilfsorganisationen zusammengebracht würden. Gerade solche Übungen böten die Gelegenheit herauszufinden, ob die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten reibungslos funktioniert. Dabei müsse keineswegs alles auf Anhieb perfekt laufen. Im Gegenteil. „Hier haben wir die Zeit, in Ruhe zu dokumentieren und alles noch mal am Ende zu evaluieren, was jetzt wirklich nicht gut gelaufen ist“, sagte Hillebrand.
Zugleich würdigte der Kreisbrandmeister den großen ehrenamtlichen Aufwand hinter der monatelangen Vorbereitung. Dass ausgerechnet jetzt im Klatenberg geübt wurde, sei keine spontane Reaktion auf die Waldbrände dieses Sommers. Die Planungen liefen bereits seit dem vergangenen Jahr.
Am Ende des Übungstages fiel die erste Bilanz entsprechend positiv aus. „Das, was wir vorhatten, hat sehr gut funktioniert“, sagte Benjamin Schürholt. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Feuerwehren und den weiteren beteiligten Einheiten habe „hervorragend funktioniert“. Verletzte gab es nicht. Mit dem Abbau der Schläuche ist die Übung allerdings noch nicht beendet. Die Ergebnisse werden nun ausgewertet. Dabei soll geprüft werden, wo Abläufe verbessert werden können und ob weitere Anschaffungen für die Feuerwehr notwendig sind. „Im Großen und Ganzen sind wir sehr, sehr zufrieden mit dem Ablauf“, zog Schürholt Bilanz.
Bericht: wn.de