Das Thermometer an diesem Sonntag zeigt 33 Grad im Schatten im Kölner Mediapark. Der Vorplatz ist gefüllt mit Feuerwehrfahrzeugen aus ganz Deutschland und den Benelux-Staaten. Was zunächst nach einem größeren Einsatz klingen mag, entpuppt sich als sportlicher Wettkampf im Zeichen der Kameradschaft: gemeinsam gegen den inneren Schweinehund, die drückende Hitze – und gegen 732 Stufen. Oder anders gesagt: 40 Etagen, 135 Höhenmeter.

Unter den insgesamt 355 Feuerwehrteams befinden sich beim Kölner Treppenlauf auch zwei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Telgte: Frederic Hagedorn und Christian Stein, die sich dieser besonderen Herausforderung stellen.

20 Kilogramm Zusatzgewicht

Doch als wäre das Treppenlaufen unter diesen Bedingungen nicht schon anspruchsvoll genug, gibt es noch eine zusätzliche Hürde. Gelaufen wird nicht in leichter Sportkleidung, sondern in vollständiger Brandschutzmontur. Rund 20 Kilogramm Zusatzgewicht – bestehend aus Helm, Jacke, Hose, Stiefeln, Handschuhen und Atemschutzgerät. Letzteres, gefüllt mit bester Telgter Außenluft, stellt dabei die einzige Luftversorgung dar: etwa 1.800 Liter Atemluft aus einer Sechs-Liter-Flasche.

Gegen 15.50 Uhr stellen sich die beiden Kameraden in ihren Startblock. Nach rund fünf Minuten Wartezeit in der prallen Sonne geht es – bereits gut aufgeheizt – in das Treppenhaus. Dort wird von Etage zu Etage schnell deutlich: Der größte Vorteil der Schutzkleidung ist zugleich ihr größter Nachteil. Wenn keine Hitze eindringen soll, kann sie eben auch nicht entweichen.

Enorme körperliche Belastung

Gefühlt steigt die Temperatur mit jeder Stufe exponentiell an. Der gesunde Menschenverstand meldet sich immer wieder mit der Frage: „Warum ziehst du die Sachen nicht einfach aus?“ Gleichzeitig schießt der Puls in die Höhe. Dank moderner Pulsuhren lässt sich das heute genau nachvollziehen: Ein Durchschnittswert von 172 Schlägen pro Minute, in der zweiten Hälfte des Laufs sogar Werte um die 190 – ein klares Zeichen für die enorme körperliche Belastung.

Doch neben all diesen Zahlen und Fakten sind es vor allem die Momente abseits der reinen Leistung, die diesen Wettbewerb besonders machen. Immer dann, wenn es nicht nach Plan läuft, zeigt sich die wahre Stärke der Feuerwehr: die Kameradschaft. Im Treppenhaus wird Rücksicht genommen, pausierende Teilnehmer werden gefragt, ob alles in Ordnung ist, aufmunternde Gesten und Worte sind allgegenwärtig. Im Ziel angekommen, wenn die Anspannung schlagartig nachlässt und man nur noch möglichst schnell aus der schweren Ausrüstung möchte, stehen bereits helfende Hände bereit, die unterstützen und auffangen.

Das Ziel erreicht

Nach 16 Minuten und 30 Sekunden erreichen die beiden Telgter Kameraden die 40. Etage. Doch was bedeutet schon eine Zeit? Das schnellste Team bewältigt die Strecke zwar in beeindruckenden 8 Minuten und 10 Sekunden – doch am Ende zählt etwas anderes: das Ankommen. Und vor allem das tiefe Vertrauen in die Kameraden, ganz gleich, woher sie kommen. Die Gewissheit, dass man sich aufeinander verlassen kann und Unterstützung erhält, wenn man sie braucht, ist die wohl wertvollste Erfahrung einer solchen Veranstaltung.

Ganz ausblenden lässt sich der sportliche Ehrgeiz jedoch nicht. Die persönliche Bestzeit steht nun – und das Ziel für 2027 ist klar formuliert: „Nächstes Mal schneller.“

Mit müden Beinen, neuen Trainingstipps und einem starken Gemeinschaftsgefühl geht es schließlich zurück nach Hause. Und mit der beruhigenden Erkenntnis: Für die Herausforderungen in Telgte ist man definitiv gut gerüstet – jedes Gebäude sollte nun mühelos zu bezwingen sein.

 

Bericht: wn.de