„Was kostet das Ding?“, 28.09.2010
Nach mehr als dreieinhalb Stunden hat der Planungsausschuss eine Entscheidung über den neuen Feuerwehrstandort vertagt. Die Stadtverwaltung soll bis zur Ratssitzung am 7. Oktober, in der auf jeden Fall der Knoten durchschlagen werden soll, nochmals Fragen klären, die aus Sicht der Fraktionen bislang offen geblieben sind. Die wichtigste von allen: Was soll das Bruens-Grundstück am Orkotten kosten, das die Stadt kaufen müsste, um dort die Feuerwehr und die Rettungswache unterzubringen.
Aussagen dazu, die die Stadtverwaltung in einer eingeschobenen nichtöffentlichen Sitzung vorbrachte, empfanden die Politiker offenbar für nicht ausreichend. „Wir bewegen uns da im spekulativen Bereich“, so Christoph Boge (CDU).
Für den Standort Alverskirchener Straße verlangte die CDU außerdem Aussagen zur Schulwegsicherung, zum Ersatz von Bolzplatz und Sportanlage sowie zur Beteiligung der Anlieger. Er sei stinksauer, so Michael Ludwig (SPD). Er bemängelte fehlende Risiko- und Kostenvergleiche. „Ich will das komplette Menü haben, bekomme aber nur Häppchen gereicht.“
Bürgermeister Pieper verwahrte sich gegen die Kritik. Die Stadtverwaltung habe die vier Punkte über die Sommerpause nochmals sehr intensiv geprüft, die der Rat im Juli moniert habe. „Wir werden bis zum 7. Oktober keine verbindliche Aussage über den Kaufpreis bekommen“, prophezeite er. Pieper sah die Gefahr, dass man sich nun in die Abhängigkeit eines privaten Grundstückseigentümers begebe.
Branddirektor Fritz Burrichter aus Münster, von der Stadtverwaltung als Supervisor hinzugebeten, hatte im Ausschuss deutlich gemacht, dass beide Standortvarianten geeignet seien, die Schutzziele zu erreichen. Aus feuerwehrfachlicher Sicht sprach er sich jedoch deutlich für die Alverskirchener Straße aus. Unter anderem wegen der geringeren Kreuzungsverkehre, die ein Unfallrisiko darstellten. Das Gebäude längs zur Landstraße anordnen zu können, sei ein „unschlagbarer Vorteil“ gegenüber Bruens.
Wie berichtet, schneidet Bruens bei den Lärmimmissionen besser ab. Der finanzielle Aufwand, die Anlieger vor Lärm zu schützen, betrage dort ein Drittel von dem, was an der Alverskirchener Straße erforderlich sei, sagte Reinhold Ginski, Leiter der Bauverwaltung. Trotzdem sei der Gutachter überzeugt, dass an beiden Standorten die Belastungen für die Anlieger auf gleich null reduziert werden könnten. Der Lärmschutz spiele auch in dem Architektenwettbewerb, den die Stadtverwaltung ausschreiben will, eine entscheidende Rolle. Fritz Burrichter schlug eine Bedarfsampel vor, die es ermögliche, dass die Einsatzfahrzeuge ohne Martinshorn von der Wache auf die Straße einbiegen könnten. Die Fahrzeugbewegungen an sich seien in einem Wohngebiet zumutbar.
Ein Sonderquerungsrecht der Bahn für die Feuerwehr am Standort Bruens dürfte utopisch bleiben. Heinrich Segbers von der DB Netz AG räumt dem praktisch keine Chance auf Genehmigung ein. Die Stadt müsste einen solchen technisch zu sichernden Übergang komplett selbst bezahlen. Kosten: 1,1 Millionen Euro. Außerdem sei an diesem Übergang mit Schrankenschließzeiten von bis zu neun Minuten zu rechnen.
Christoph Boge warb dafür, diese Entscheidung in einem möglichst breiten Konsens zu treffen, um die Akzeptanz zu erhöhen. Die Stimmungslage im Ausschuss war gestern nicht eindeutig auszumachen, das Pendel schien aber eher Richtung Bruens auszuschlagen. Die SPD hält dieses Gelände für den besseren Standort, weil eine Feuerwache nicht in ein Wohngebiet gehöre und die Chance einer schnelleren Realisierung bei Bruens größer sei. Außerdem sei der Erhalt des Bolzplatzes nicht gewürdigt worden.
Die Grünen stellten die Belange der Feuerwehr nach vorne. „Das war Grundlage für unsere Entscheidung“, so Gerd Klünder, der dennoch nicht ausschloss, dass die Grünen notfalls auch eine „1c-Lösung Bruens“ mittragen würden. Sein Fraktionskollege Uwe Werdermann allerdings ist gegen die Alverskirchener Straße, weil der Bolzplatz das Zentrum der Drostegärten sei.
Die FDP, so sagte Detlev Dierkes, halte die Alverskirchener Straße für städtebaulich beklagbar. Gerade die Erwerber der Erbbaugrundstücke an der Beethovenstraße könnten einen Vertrauensschutz geltend machen. „Baurecht ist bei Bruens sicher eher machbar.“ Der Bürgermeister sieht hingegen auch am Orkotten juristische Risiken.
Die CDU schien noch hin und her gerissen zu sein. Die alles entscheidende Frage formulierte der Ausschussvorsitzende Dietmar Große-Vogelsang so: „Was kostet das Ding?“
Wehrführer Alfons Huesmann ergriff ganz zum Schluss das Wort und rang um Fassung: „Ich kann nicht nachvollziehen, was hier gelaufen ist. Ein einsatztaktisch optimaler Standort wurde zerredet. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen.“ Die große Anzahl der auf den Zuhörerstühlen ausharrenden Kameraden applaudierte.
Text: WN, Roland Greife, Foto: WN, Julius Schwerdt

